논문나눔

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작성자:신학하는친구들() 조회수:149 / 분류 : 없음
M. Welker교수의 설교문
Prof. Dr. Dr. Michael Welker
Predigt am zweiten Sonntag nach Epiphanias 1999
in der Peterskirche Heidelberg
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Exodus 33, 18-23

Dann sagte Mose (zu Gott): Laßmich doch deine Herrlichkeit sehen!
Und Gott antwortete: Ich will all mein Gutes an deinem Angesicht vorueberziehen lassen und ich will den Namen Gottes vor dir ausrufen: Ich will gnaedig sein, wem ich gnaedig sein will, und ich will mich erbarmen, wessen ich mich erbarmen will!
Weiter sagte Gott: Mein Angesicht aber wirst du nicht sehen koennen. Denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.
Dann sagte Gott: Sieh, diesen Ort da! Stell dich an diesen Felsen!
Und da wird es sein, beim Vorbeiziehen meiner Herrlichkeit stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand (schutzend) uber dich, solange ich vorueberziehe.
Dann ziehe ich meine Hand zuruck, daßdu meine Rueckseite siehst. Mein Angesicht aber kann niemand sehen.


Gib mir einen festen Punkt, und ich bewege die Erde! Dieser Ausspruch wird Archimedes zugeschrieben. Immer wieder ist Gott als solch ein archimedischer Punkt angesehen worden. Gott als letzter Fixpunkt und Halt. Gott als außerster Bezugspunkt, von dem aus die Welt zugleich gehalten und in Frage gestellt wird. Viele fromme Menschen und viele Theologien haben mit so einer Vorstellung von Gott geliebaugelt. Und viele tun das noch heute.

Auch Mose sucht nach einem unueberbietbaren Halt mit seiner Bitte: Laßmich deine Herrlichkeit sehen! Er spricht seine Bitte nicht aus religioeser Neugier aus. Er spricht nicht aus religioeser erlebnissucht. Lesen wir den heutigen Predigttext im Zusammenhang der ihn umgebenden Geschichten, so wird deutlich: Mose sucht mit seiner Bitte die unbedingt verlaßliche Begegnung mit Gott, die zweifelsfreie, die vollkommene Gegenwart Gottes. Mose, der Mittler zwischen Gott und Israel, moechte Gottes Herrlichkeit inmitten von Krisen und drohenden Gefahren sehen. Seine Bitte steht im Zusammenhang des Desasters, das durch Israels Goetzendienst am goldenen Kalb ausgeloest worden ist. Das Verhaeltnis Israels zu Gott ist gestoert. Auch das Verhaeltnis Israels zu Mose ist gestoert. Ein gestoertes Verhaeltnis zu Gott und zu Mose - inmitten drohender Gefahren. Ein gestortes Verhaeltnis zu Gott und zu Mose inmitten der Bedrohungen, die die sogenannte ,,Landnahme" mit sich bringt. Ein gestoertes Verhaeltnis zu Gott und zum Verbindungsmann zwischen Gott und Volk aber ist gefaehrlich. Besonders gefaehrlich angesichts bevorstehender politischer, militarischer, sozialer und religioeser Konflikte. Denn in der ja reichlich verharmlosend ,,Landnahme" genannten Situation prallen die Existenzansprueche, Existenzrechte und Existenzangste Israels mit den Anspruechen, Rechten und Angsten anderer Voelker zusammen. Ein starkes Gottesverhaeltnis, ein festes religioeses Rechtsempfinden, ein Wissen um Gottes Plaene und Wege ist dabei unverzichtbar. In dieser kritischen Lage will Mose Gottes Herrlichkeit sehen. Fragt er damit nicht nach dem festen, nach dem archimedischen Punkt?

Die Antwort Gottes auf die Bitte des Mose erscheint aufschlußreich - und enttauschend zugleich. Sie ist aufschlußreich, indem deutlich wird: Gottes Herrlichkeit, Gottes Doxa, Gottes Fuelle und Schwere ist Gottes Angesicht. Nicht ein fester Punkt oder eine ruhige Basis, ein unbewegter Grund oder Halt, sondern Gottes lebendiges Angesicht ist das, wonach Mose sucht und fragt. Wer Gott ganz und gar wahrnehmen will, fragt nach Gottes Angesicht. Aber - so lautet die enttauschende Auskunft: dieses Angesicht kann niemand sehen, ohne zu sterben. Selbst Mose nicht.

Doch mit dieser Auskunft koennen sich bibelkundige Menschen nicht einfach abfinden. Besitzen wir denn nicht in der Bibel eine ganze Reihe von Geschichten, in denen es heißt, Mose habe vor Gott gestanden, mit Gott geredet und von Gott Weisung empfangen? Heißt es nicht unmittelbar vor dem Predigttext sogar: ,,Der Herr und Mose redeten miteinander Auge in Auge, wie Menschen miteinander reden."? Ist Mose damit Gott nicht unueberbietbar nahegekommen? Warum soll er jetzt ploetzlich das Angesicht nicht sehen duerfen? So schwer es uns heute faellt, uns vorzustellen, daß eine Begegnung ,,Auge in Auge" ueberboten werden kann - das Alte Testament noetigt uns dazu, dies zu tun. Mit der Bitte: Laßmich deine Herrlichkeit sehen! fragt Mose nach mehr als nach der Offenbarung in der Wolke, im brennenden Dornbusch oder in der Uebergabe der Gebote. Er bittet aber auch um mehr als um eine nur personale Begegnung nach dem Muster alltaeglicher zwischenmenschlicher Begegnungen oder nach dem Muster einer Audienz. Doch welche Steigerung gabe es gegenueber einer persoenlichen Begegnung Auge in Auge?

Die biblischen Texte kennen personale Offenbarungen Gottes, Auge in Auge, zum Beispiel durch Engel. Diese Offenbarungen sind durchaus noch einer Steigerung faehig. Wohl macht sich Gott selbst in diesen Offenbarungen in personaler Form zugaenglich. Einige Engelgeschichten machen das drastisch deutlich, indem sie Gott und Engel unterscheiden und zugleich identifizieren: Und Gott ....... Und der Engel sprach ... heißt es ueber denselben Sprecher. Gott spricht demnach in personaler Begegnung durch den Engel. Zugleich wird in allen Engelgeschichten deutlich: Eine personale Begegnung im Stile menschlicher Begegnungen kann die Fuelle der Herrlichkeit Gottes nicht erfassen. Deshalb muessen alle Engel verschwinden, nachdem sie ihre Botschaft ueberbracht haben. Alle. Nie werden Engel seßhaft. Diese personalen Gegenuber muessen sozusagen zuruecktreten in die Fuelle der himmlischen Heerscharen, die nur im gemeinsamen Gotteslob die goettliche Herrlichkeit spiegeln. Auch das Neuen Testament kennt die Steigerung der menschlich-personalen Gegenwart des vorosterlichen Jesus in der Gegenwart des Auferstandenen.

Worauf aber zielt die Rede von Gottes Angesicht, wenn es dabei um mehr geht als um ein personales Auge in Auge? Nicht nur die Engelgeschichten, auch andere biblische Ueberlieferungen koennen uns davor bewahren, uns allzu menschliche Vorstellungen von Gottes Angesicht zu machen. Sie verbinden die Zuwendung des Angesichts mit nicht weniger als mit der Ausgießung von Gottes Geist: ,,Ich verberge mein Angesicht nicht mehr vor ihnen, denn ich habe meinen Geist ueber das Haus Israel ausgegossen" (z.B. Ez 39,29). Die Zuwendung des Angesichts ist mit Gottes Geistausgießung, mit dem Erweis von Gottes neuschoepferischer Kraft verbunden. Gottes Herrlichkeit, Gottes Angesicht - das ist Gott in vollkommener Gegenwart, Gott in Gottes Kreativitaet. Warum aber ist ausgerechnet eine solche Begegnung gefaehrlich, ja, sogar toedlich?

Ist Gottes schoepferische Gegenwart nicht gerade die Garantie fuer Leben und Gelingen? Heißt es etwa nicht immer wieder ausdrueklich in den biblischen Ueberlieferungen, daß die Menschen Gottes Angesicht suchen sollen? Sind sie nicht voller Hoffnung auf ein Leben vor Gottes Angesicht und darauf, daß die Frommen und Gerechten Gottes Angesicht schauen werden? Wiederholen sie denn nicht die Bitte und die Klage: Verbirg nicht dein Angesicht! Verhuelle es nicht! Wende es nicht ab! Die Abwendung deines Angesichts bringt den Tod!?

Wieder muessen wir in den Kontext der Geschichte zurueckgehen, um die Verwirrung und Irritation aufzuloesen. Die volle Zuwendung von Gottes Angesicht und Gottes Herrlichkeit ist fuer Menschen gefaehrlich, ja toedlich. Denn Gott ist nicht nur der rettende, sondern auch der richtende Gott. In Gott ist nichts Boeses, aber Gott ist voller Kraft der Auseinandersetzung mit dem Boesen. Deshalb sagt Gott Israel und Mose nur eine abgestufte Gegenwart zu. ,,Ich selbst ziehe nicht in deiner Mitte. Denn du bist ein stoerrisches Volk. Es konnte sonst geschehen, daß ich dich unterwegs vertilge", heißt es wiederholt (Ex 33, 3 und 5). Eine abgestuefte Gegenwart Gottes und der Gedanke, daß eine zu direkte, eine zu dichte Gegenwart Gottes den Menschen gefaehrlich werden konnte - auch das vertraegt sich schwer mit vielen gaengigen Gottesgedanken und Gottesbildern. Wir suchen nicht nur die festen religioesen Punkte und nicht nur das Auge- in-Auge. Auch das Alles-oder-Nichts ist gerade auf religioesem Gebiet noch immer eine beliebte Suchformel. Gott pur - Gott ganz - oder gar nicht. Doch die Antwort Gottes auf die Bitte des Mose spricht von einer abgestuften Gegenwart Gottes auch ihm gegenueber. Sie spricht von einem lebendigen Gott, der uns naeher oder ferner ruecken kann. Sie spricht von einem Gott, der uns vor der zu großen und umfassenden Naehe und Zuwendung des Angesichts und der Herrlichkeit geradezu schuetzen muß.

Ich will all mein Gutes vor dir vorueberziehen lassen. All mein Gutes - manche Uebersetzungen gebrauchen die Ausdruecke ,,alle meine Gute" oder ,,meine ganze Schoenheit". ,,All mein Gutes'., so heißt es, soll an Mose vorbeiziehen. Nicht aber Gott in Gottes Totalitaet! Nicht Gottes Zorn, nicht Gottes Gericht, nicht Gottes totendes Urteil, all das, was eben auch zu Gottes Herrlichkeit, zu Gottes Doxa und Fuelle gehoert! Mit dem Vorbeiziehen des Guten aber geht die Offenbarung des Gottesnamens einher: Ich will gnaedig sein, wem ich gnaedig sein will, und ich will mich erbarmen, wessen ich mich erbarmen will! Gott legt sich selbst fest auf freie Gnade - ich will gnaedig sein, wem ich gnaedig sein will - und auf freie Barmherzigkeit - ich will mich erbarmen, wessen ich mich erbarmen will. Doch der Satz, dessen Tautologien uns merkwuerdig erscheinen moegen, sagt noch mehr. Gott legt sich naemlich auch auf treue Gnade und Barmherzigkeit fest. Gott steht zu Gottes Erwaehlung und Gott bleibt in der freien Barmherzigkeit beharrlich. Als der in freier und treuer Weise gnaedige und barmherzige Gott offenbart Gott sich Mose in der Felsspalte.

Die Herrlichkeit Gottes, das lebendige Angesicht, laßt sich nicht mustern und beschauen. Es schließt in seiner Fuelle und Lebendigkeit auch Gottes Zorn und Gottes Gericht ein. Selbst Mose mußte in der uneingeschrankten Begegnung mit Gott vergehen. Deshalb weist Gott die Bitte des Mose ab. Er muß Gottes Herrlichkeit hier nicht als ein ihn blendendes uebermachtiges Licht oder gar wie einen vernichtenden Blitzschlag erfahren. Nur all sein Gutes laßt Gott an Mose in der Felsspalte vorueberziehen, indem barmherzig und schuetzend die Hand Gottes ueber ihn gehalten ist. Noetigt uns also die Antwort Gottes auf die Bitte des Mose zu der religiosen Bescheidenheit, die Gotthold Ephraim Lessing mit den Worten zum Ausdruck brachte: Gott, gib mir nur den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit... Die reine Wahrheit ist ja doch nur fuer dich allein!?

Gewiß weist Gott eine allzugroeße Zudringlichkeit ab. Wer in Zuschauerhaltung einen direkten Zugriff auf Gottes Herrlichkeit sucht, spielt mit dem Feuer. Kein Mensch kann Gottes Angesicht unvermittelt sehen und am Leben bleiben. Das ist eine heilsame Kritik an sozusagen unverfrorenen Gottesgedanken, Gottesvorstellungen und Gottesbildern, die sich und anderen Gottes Lebendigkeit und die rettende und richtende Macht verstellen, die von Gottes Angesicht ausgeht. Aber damit lautet die Antwort nicht: Meine Herrlichkeit und meine Wahrheit sind nur fuer mich allein. Gott offenbart seine ganze Guete. Gott offenbart seine rettende und bewahrende Barmherzigkeit. Gott offenbart den Gottesnamen, in dem sich Gott auf freie und treue Gnade und Barmherzigkeit festlegt.

Daß damit die Offenbarung von Gottes Namen, von Gottes Angesicht und Gottes Herrlichkeit nicht an ein Ende und zu einem Abschluß gebracht ist, das wissen wir aus der weiteren Geschichte Gottes mit den Menschen. Auch in dieser weiteren Geschichte begegnen uns immer wieder Erinnerungen daran, daß Gott einen direkten Zugriff auf die goettliche Herrlichkeit zurueckweist. Gottes Wort wuerde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. Das bekennt die Christenheit. Doch auch in Jesus Christus, in dem Gottes ganze Fuelle und Herrlichkeit erschienen ist, offenbart sich Gott in barmherziger Weise. Diejenigen, die die Offenbarung Gottes in Jesus Christus gegen die Offenbarung Gottes gegenueber Mose ausspielen moechten, sollten jedenfalls große Vorsicht walten lassen. Sie sollten pruefen, ob sie nicht auf einen bloßen Gottesgedanken hinsteuern, der sich uber die Lebendigkeit Gottes und das rettende und richtende Handeln Gottes allzu forsch hinwegsetzt. Auch in Jesus Christus begegnet uns kein fester Punkt, kein bloßes Auge in Auge, aber auch kein Gott, der sich apatisch oder hilflos dem Leiden und dem Boesen gegenueber verhielte. Auch in ihm begegnet uns der lebendige schoepferische Gott, der rettet und richtet, der uns naherkommen und uns fernerruecken kann und der dennoch alle Tage bei uns ist, bis an der Welt Ende. In ihm begegnet uns der Gott, der barmherzig und schuetzend die Hand uber uns halt, der das Angesicht ueber uns leuchten laßt und es auf uns erhebt. Durch ihn und in ihm werden wir mit dem Angesicht des dreieinigen Gottes vertraut, durch ihn und in ihm werden wir erneuert und erhoben, so daß wir in der uneingeschrankten Begegnung mit Gottes Herrlichkeit nicht vergehen muessen.

Die nur scheinbar enttauschende Begegnung des Mose mit Gott und die Offenbarung Gotte in Christus haben eines gemeinsam. Sie wollen uns Menschen mit dem Angesicht des lebendigen Gottes in barmherziger Weise vertraut machen. Sie wollen uns mit Gottes Angesicht vertraut machen, damit wir nicht sagen muessen: „Es ist schrecklich, in die Haende des lebendigen Gottes zu fallen!“ (Heb 10,31) Sie wollen uns mit Gottes Angesicht vertraut machen, damit in der klaren Hoffnung leben koennen: „Jetzt schauen wir in einem Spiegel und sehen nur ratselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkenne, wie auch ich durch und durch erkannt worden bin.“ (1Kor 13,12)
Amen.

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글쓴시각 : 1999/08/21 - 00:00:00
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